Job-Nischen für Menschen mit Behinderung

WAZ-Artikel vom 12.08.2016

Im Recyclingunternehmen Müntefering-Gockeln arbeiten sieben Menschen mit Handicap an den Sortiermaschinen. Das Pilotprojekt soll mit Hilfe der Behindertenwerkstätten Schule machen. Das „echte“ Leben beginnt für Daniel Werzl, wenn er seine rote Arbeitsweste überstreift. Zusammen mit sechs anderen Menschen mit Handicap ist er Teil des „DRAUSSEN“-Projekts der Werkstätten für Behinderte (wewole STIFTUNG). Das Besondere daran: Statt in den Räumen der wewole STIFTUNG einer Beschäftigung nachzugehen, arbeiten die 20 bis 48 Jahre alten Männer und Frauen an einer Sortierstation auf dem Recyclinghof der Firma Müntefering-Gockeln. Und sind so „in das echte Leben, in den echten Arbeitsmarkt“ integriert, wie wewole STIFTUNG-Geschäftsführer Rochus Wellenbrock stolz erzählt.

Die Erfolgsgeschichte brauchte einiges an Vorlaufzeit: Bereits im Frühjahr gab es erste Gespräche zwischen der Sozialeinrichtung und Firmenchef Karl-Heinz Gockeln. Dann kamen Praktika, im Mai schließlich die Anstellungen der Menschen mit Behinderung. „Wir wollten nicht, dass einer unserer Mitarbeiter unvorbereitet eine solche Beschäftigung beginnt“, erklärt Guido Hoffmann, Leiter des „DRAUSSEN“-Projekts. Die Herausforderung: Bei der Arbeit mit Behinderten kann nichts vorausgesetzt werden. Hoffmann: „Fegt doch mal den Hof oder sortiert mal das Metall sind Arbeitsanweisungen, die diese Menschen nicht immer sofort verstehen.“ So schauen er und seine Mitarbeiter noch heute zweimal täglich auf dem Gelände an der Hafenstraße nach dem Rechten. wewole STIFTUNG-Sozialarbeiter und -Pädagogen stehen für Fragen und Probleme jederzeit bereit. Wellenbrock: „Eine Firma könnte die ganze Betreuung auch gar nicht stemmen. Und auch vor einer Einstellung haben viele Firmenchefs Angst, sollte es einmal nicht passen, ist jemand mit Behinderung nämlich nur schwer zu kündigen.“

Bei diesen Vorbehalten setzt das wewole STIFTUNG-Projekt an: 17 Dienstleistungsverträge wurden bereits mit Unternehmen geschlossen, nicht nur bei Müntefering-Gockeln, sondern auch mit einer Finanzbehörde, einem Metallverarbeitungsunternehmen und einem Hotel. Die Menschen bleiben weiterhin Beschäftige der wewole STIFTUNG, kommen über einen Dienstleistungsvertrag in die Unternehmen. Wellenbrock: „Sollte es zu Schwierigkeiten kommen, können die Mitarbeiter einfach zurück in unsere Werkstätten.“ Für Daniel Werzl, der mit seinen Kollegen am Fließband täglich zehn Tonnen Müll auf Wertstoffe überprüft und sortiert, kommt eine solche Rückkehr nicht in Frage, so pudelwohl fühlt er sich mit seiner neuen Aufgabe. „Und auch Firmenchef Müntefering-Gockeln ist zufrieden: „Die neuen Mitarbeiter machen hier sehr einfache Arbeiten. Wir haben das bereits mit ehemaligen Drogenabhängigen versucht, warum dann nicht auch mit Menschen mit Behinderung?“ Und auch Wellenbrock hofft, dass sich durch die positiven Erfahrungen an der Hafenstraße weitere Unternehmen für das „DRAUSSEN“-Projekt interessieren. „Wir müssen weitere Nischen für Beschäftigungen für Behinderte finden. Denn echte Teilhabe an der Gesellschaft ist nur möglich, wenn sie auch draußen arbeiten.“

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