Wo Behinderte in Herne für Wachstum sorgen

Herne. Ein Rundgang mit WAZ-Lesern durch Gärtnerei und Gartenbaubetrieb der Werkstätten. Es ist sowieso schon heiß an diesem Julitag. 30 Grad zeigt das Thermometer an. Doch bei der Führung durch die Gärtnerei und den Gartenbaubetrieb der Werkstätten für Behinderte an der Nordstraße in Horsthausen kommen die WAZ-Leser sozusagen doppelt ins Schwitzen: In manchen Gewächshäusern herrschen Saunatemperaturen. Doch die Gruppe lässt sich nicht hängen, dank der interessanten und launigen Erklärungen von Abteilungsleiter Peter Schwabe wird es ein zwar anstrengender, aber dennoch sehr informativer Rundgang.

Gluthitze im Tomaten-Haus, Temperaturen von über 45 Grad bei den Gurken, daran werden sich die Teilnehmer der Aktion „Die WAZ öffnet Pforten“ noch lange erinnern. Aber auch an die Informationen und an die Details. Zum Beispiel, dass auf allem Essbaren, was die wewole STIFTUNG produziert, zwar nicht bio draufsteht, aber bio drin ist: „Wir sind zwar nicht zertifiziert, trotzdem verzichten wir bei sämtlichem hier produzierten Gemüse und Obst auf den Einsatz von Gift“, macht Schwabe deutlich.

Der 56-Jährige zeigt den Besuchern, dass es den 700 Hühnern und 350 Gänsen, die die Werkstätten hier halten, vergleichsweise gut geht. Und dass die Preise, die man hier zahlt, zwar nicht günstiger sind als anderswo, dafür aber die Qualität stimmt. „Unsere Hähnchen bekommen beispielsweise nur Mais und wiegen hinterher das Dreifache von normalen Hähnchen“, erläutert der Chef des Betriebes. Larissa Folke hat sich für die Tour beworben, weil sie sich für ihre Stadt interessiert. Und Christa Heppner „möchte mal sehen, was dahinter steckt, mal hinter die Kulissen schauen.“ Und das kann sie ausgiebig. So erfährt sie auch, wie Menschen trotz Behinderung hier ins Arbeitsleben integriert werden, dass sie ihr Taschengeld von 80 bis 450 Euro monatlich selbst erwirtschaften müssen. Und dass viele von ihnen in der freien Wirtschaft landen, nachdem sie in der Behindertenwerkstatt sozusagen Anlauf genommen haben. „Wir vermitteln unsere Mitarbeiter beispielsweise zum Entsorgungsunternehmen Müntefering-Gockeln oder nach Stadtgrün“, erklärt Schwabe.Annegret Niggemeyer kennt die wewole STIFTUNG an der Nordstraße vom Weihnachtsmarkt, Bruni Folker „war noch nie hier, ich wohne in Röhlinghausen und damit zu weit weg.“ Wie die anderen Teilnehmer lernen die Beiden aber, dass es sinnvoll ist, bei den Behindertenwerkstätten einzukaufen, das untermauert Peter Schwabe auch in der Fragestunde am Ende der Veranstaltung: Sinnvoll, weil man damit unter sozialen Aspekten einkaufe, aber auch ganz einfach: weil die Ware von hervorragender Qualität sei.

Ach ja: Wasser gab es beim Rundgang am Ende übrigens auch. Selten schmeckte es besser. Danke nochmal! Martin Tochtrop Der Beitrag im Netz: www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/wo-behinderte-in-herne-fuer-wachstum-sorgen-id12031966.html 

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